Umwelt & Klima
Stickstoffdioxid in Rheinland-Pfalz: NO2-Werte seit 2019 um gut ein Viertel gesunken
Die Stickstoffdioxid-Belastung in Rheinland-Pfalz ist seit 2019 deutlich zurückgegangen. Dennoch zeigen aktuelle Messdaten, dass vor allem städtische Verkehrsstationen den künftigen EU-Grenzwert noch nicht einhalten.
Redaktion luft-rlp.de · 25.09.2026
Wie hat sich NO2 in Rheinland-Pfalz seit 2019 entwickelt?
Der Durchschnitt aller Messstationen mit vergleichbaren Werten sank von rund 21,5 µg/m³ im Jahr 2019 auf 15,7 µg/m³ im Jahr 2025 – ein Rückgang von gut ein Viertel (27 Prozent). Dieser Trend zeigt sich landesweit: Sowohl städtische Verkehrsstationen als auch ländliche Hintergrundstationen verzeichnen niedrigere Jahresmittelwerte als noch vor sechs Jahren. Der Rückgang ist damit kein lokales Phänomen einzelner Städte, sondern ein flächendeckendes Muster. Für eine vollständige Stationsübersicht mit allen Jahreswerten steht der Luftqualitätsreport auf luft-rlp.de zur Verfügung.
Welche Stationen messen die höchsten NO2-Werte?
Die höchste Belastung weist 2025 die Station Mainz-Parcusstraße mit 32 µg/m³ auf – 2019 lag der Wert dort noch bei 42 µg/m³. Weitere stark belastete Verkehrsstationen sind:
- Ludwigshafen-Heinigstraße: 27 µg/m³ (2019: 38)
- Koblenz-Hohenfelder Straße: 26 µg/m³ (2019: 38)
- Mainz-Rheinallee: 25 µg/m³ (2019: 34)
- Worms-Hagenstraße: 19 µg/m³ (2019: 26)
- Trier-Ostallee: 18 µg/m³ (2019: 27)
Alle genannten Stationen haben ihre Werte seit 2019 erheblich gesenkt, liegen aber noch über dem ab 2030 geltenden EU-Grenzwert von 20 µg/m³.
Wo ist die Luft in Rheinland-Pfalz am saubersten?
Die niedrigsten NO2-Konzentrationen messen ländliche Hintergrundstationen, allen voran Westeifel Wascheid mit 2,7 µg/m³. Ähnlich niedrige Werte zeigen:
- Hunsrück-Leisel: 3,4 µg/m³
- Pfälzerwald-Hortenkopf: 3,4 µg/m³
Diese Stationen liegen weit entfernt von Verkehrsquellen und bilden die natürliche Hintergrundbelastung des Landes ab. Ihre Werte unterschreiten selbst die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 10 µg/m³ deutlich. Der Vergleich mit den städtischen Verkehrsstationen verdeutlicht, wie stark lokale Emissionsquellen die Luftqualität beeinflussen.
Welche Grenzwerte und Empfehlungen gelten für NO2?
Aktuell gilt in der EU ein Jahresmittelgrenzwert von 40 µg/m³ – diesen unterschreiten 2025 alle Messstationen in Rheinland-Pfalz. Ab 2030 verschärft die EU-Luftqualitätsrichtlinie (EU) 2024/2881 diesen Wert auf 20 µg/m³. Bereits jetzt lagen 2025 zehn Stationen über dieser künftigen Schwelle. Die WHO empfiehlt darüber hinaus einen Richtwert von 10 µg/m³ – ein Niveau, das in Rheinland-Pfalz bislang nur ländliche Hintergrundstationen erreichen. Der neue EU-Grenzwert stellt damit besonders städtische Verkehrsstationen vor eine erhebliche Herausforderung, auch wenn der Abstand zum heutigen Grenzwert von 40 µg/m³ komfortabel erscheint.
Warum sind die NO2-Werte seit 2019 gesunken?
Mehrere Faktoren haben gemeinsam zum Rückgang beigetragen, darunter die Erneuerung der Fahrzeugflotte, technische Maßnahmen und kommunale Luftreinhaltepläne. Im Einzelnen spielen folgende Entwicklungen eine Rolle:
- Verbreitung von Fahrzeugen der Abgasnorm Euro 6d mit deutlich niedrigeren Realemissionen
- Software-Updates älterer Dieselfahrzeuge nach dem Abgasskandal
- Verkehrsmaßnahmen zur Reduzierung der Belastung an Hotspots
- Luftreinhaltepläne in Mainz, Ludwigshafen und Koblenz
Diese Maßnahmen wirken zusammen und erklären, warum der Rückgang an städtischen Verkehrsstationen besonders ausgeprägt ist – dort, wo der Straßenverkehr die dominierende Emissionsquelle darstellt.
Warum stiegen die Werte 2025 an manchen Stationen wieder leicht an?
An mehreren Stationen lagen die Jahresmittelwerte 2025 etwas höher als 2024, etwa an der Mainz-Parcusstraße, wo der Wert von 29 auf 32 µg/m³ stieg. Die Ursachen für diesen leichten Wiederanstieg sind noch nicht abschließend geklärt. Die Witterung beeinflusst die Ausbreitung von Schadstoffen in der Atmosphäre und kann von Jahr zu Jahr unterschiedlich stark zur gemessenen Konzentration beitragen. Ob weitere Faktoren eine Rolle spielen, lässt sich auf Basis der vorliegenden Daten nicht sicher beurteilen. Der langfristige Abwärtstrend seit 2019 bleibt von diesem kurzfristigen Anstieg unberührt.
Was bedeuten die Daten für die Luftqualitätspolitik in Rheinland-Pfalz?
Der Rückgang der NO2-Belastung zeigt, dass bisherige Maßnahmen Wirkung zeigen – gleichzeitig macht der neue EU-Grenzwert ab 2030 weiteren Handlungsbedarf deutlich. Zehn Stationen lagen 2025 noch über der künftigen Schwelle von 20 µg/m³. Besonders die Verkehrsstationen in Mainz, Ludwigshafen und Koblenz müssen ihre Werte in den kommenden Jahren weiter senken, um die neue Anforderung zu erfüllen. Für Kommunen und Verkehrsplaner bedeutet das, bestehende Luftreinhaltepläne fortzuschreiben und gegebenenfalls zu verschärfen. Aktuelle Messwerte aller Stationen sowie der vollständige Jahresvergleich sind im Luftqualitätsreport auf luft-rlp.de abrufbar.
Häufige Fragen
Überschreitet in Rheinland-Pfalz noch eine Station den EU-Grenzwert für NO2?
Nein. Der aktuell gültige EU-Jahresmittelgrenzwert von 40 µg/m³ wird 2025 an keiner Messstation in Rheinland-Pfalz überschritten. Ab 2030 gilt jedoch ein strengerer Wert von 20 µg/m³, den 2025 noch zehn Stationen überschritten haben.
Welche Station hat in Rheinland-Pfalz den höchsten NO2-Wert?
Die Station Mainz-Parcusstraße verzeichnete 2025 mit 32 µg/m³ den höchsten Jahresmittelwert aller Messstationen im Land. 2019 lag der Wert dort noch bei 42 µg/m³.
Wo finde ich alle Messwerte der rheinland-pfälzischen Luftmessstationen?
Eine vollständige Übersicht aller Stationen mit Jahreswerten bietet der Luftqualitätsreport auf luft-rlp.de unter Luftqualitätsreport Rheinland-Pfalz. Dort sind die Daten der Auswertung des Umweltbundesamtes zusammengeführt.