Gebietsbezogene Maßnahmen

Luftverunreinigungen treten nicht überall gleichmäßig auf. Besonders belastet ist die Luft in den hochverdichteten und industriell geprägten Ballungsräumen. Um auch in diesen Gebieten lufthygienisch zuträgliche Verhältnisse zu schaffen und zu sichern, steht das Instrument der Luftreinhaltepläne zur Verfügung. Es dient nicht nur dem Umweltschutz sondern ermöglicht auch die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Ballungsräume. 

Die ersten Luftreinhaltepläne für die so genannten Belastungsgebiete in Rheinland-Pfalz, nämlich Ludwigshafen-Frankenthal (1980) und Mainz-Budenheim (1983) waren als Sanierungspläne konzipiert. Sie zielen darauf, innerhalb der festgelegten Laufzeit nachweislich hohe Belastungen an Luftschadstoffen zu verringern und schädliche Umwelteinwirkungen zu verhindern. Wie die Fortschreibungen der Pläne in den Jahren 1989 bzw. 1993 zeigten, konnten in diesen ausgeprägten industriellen Kernzonen des Landes nachhaltige Emissionsminderungen erreicht werden.

Schließlich wurden auch für weniger stark belastete Gebiete Luftreinhaltepläne erstellt. Mit der Veröffentlichung der Luftreinhaltepläne Koblenz-Neuwied (November 1994) und Trier-Konz (Februar 1996) wurde die Strategie des Vorsorgeplanes umgesetzt. Hierbei wird das Ziel verfolgt, eine regionale, umfassende Istanalyse der Luftschadstoffbelastung durchzuführen. Auch die weit unterhalb von Grenzwerten (und damit niedriger) angesetzten Leit- oder Zielwerte einer vorsorgenden Luftreinhalteplanung sollen eingehalten oder erreicht werden.

Ein Luftreinhalteplan umfasst einen feststellenden und einen darauf aufbauenden handlungsorientierten Teil mit Verbesserungs- und Vorsorgevorschlägen. Er enthält die folgenden Elemente:

  • Regionsbeschreibung (Topographie/Meteorologie)
  • Emissionskataster
  • Immissionskataster
  • Wirkungsuntersuchungen
  • Maßnahmeplan
  • Prognose der Luftverunreinigungen

Die Ermittlung der Emissionen erfasst alle durch menschliche Tätigkeiten hervor- gerufenen Emissionsvorgänge eines bestimmten Gebietes und gibt - gegliedert nach den Emittentengruppen Industrie, Kleingewerbe, Hausbrand (Gebäudeheizungen) und Verkehr - Informationen über Art und Umfang und Verursacher der Luftverunreinigungen.

Jahresemission von Stickstoffoxiden nach Rasterflächen 1 Kilometer x 1 Kilomter

Immissionserhebungen sind ein wesentlicher Beitrag zur Bewertung der lufthygienischen Situation. Sie erfolgen durch stationäre und mobile Messeinrichtungen und erfassen die für das jeweilige Gebiet maßgeblichen Luftverunreinigungen.

Immissionsbelastung durch Stickstoffdioxid

Durch standardisierte Wirkungsuntersuchungen an geeigneten Akzeptoren können Feststellungen hinsichtlich Art und Umfang der durch Luftverunreinigungen hervorgerufenen schädlichen Umwelteinwirkungen getroffen werden. So werden z. B. Erhebungen an folgenden Wirkungsobjekten durchgeführt:

Boden: Untersuchung der Bodenbelastung durch Schwermetalle

Bleigehalt in Bodenproben

Material:
Untersuchung der Immissionseinflüsse auf exponierten Naturstein
Pflanzen:
Untersuchung der Schadstoffaufnahme standardisierter Graskulturen
Mensch:
Untersuchung der Immissionseinflüsse auf die menschliche Gesundheit

Häufigkeitsverteilung der Bleikonzentration im Zahn

Der Maßnahmeplan hat zum Ziel, die Emissionen zur Verbesserung der lufthygienischen Situation zu reduzieren. Er schließt hierbei alle Emittentengruppen mit ein.

Im Industriebereich konnten durch freiwillige Maßnahmen bzw. behördliche Anordnungen die Emissionen seit den 80er Jahren deutlich gesenkt werden.

Im wesentlichen handelt es sich hierbei um anlagentechnische Optimierung, Nachrüstung mit modernen Abgasreinigungsanlagen, Umstellung auf emissionsärmere Brennstoffe aber auch um Produktionseinschränkungen und Stilllegung von Anlagen.

Beim Abbau der immer bedeutsamer werdenden verkehrsbedingten Luftbelastungen greifen sowohl europaweit wie bundeseinheitlich geregelte Maßnahmen, so zum Beispiel:

  • Verbot von verbleitem Normalbenzin und Senkung des Bleigehaltes in Ottokraftstoffen,
  • Einführung und Verschärfung von Emissionsnormen für PKW und LKW,
  • Steuerrechtliche Maßnahmen,
  • Einführung der Abgasuntersuchung für PKW.

Auch eigenständige Regelungen der Bundesländer und der Kommunen im Rahmen der Landesentwicklung und -planung, insbesondere beim Städtebau und der Verkehrsplanung, bieten sich an. So haben Planungsvorhaben fast immer Auswirkungen auf die Emissionen. Folgende Beispiele für emissionsmindernde Maßnahmen im Straßenverkehr wurden in den rheinland-pfälzischen Luftreinhalteplänen geprüft und vorgeschlagen:

  • Fahrbeschränkungen in der Innenstadt,
  • Parkraumbewirtschaftung,
  • Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV,
  • Absenkung der Geschwindigkeitsniveaus,
  • Verbesserungen im Radverkehr/Ausbau von Radwegenetzen,
  • Verkehrsberuhigter Ausbau/Rückbau von Ortsdurchfahrten und
  • Verbesserung der lufthygienisch-bioklimatischen Verhältnisse im Rahmen der Bauleit- und Flächennutzungsplanung.

Bei den zukünftigen Anstrengungen zur Reduzierung der Luftschadstoffe wird vor allem der Kfz-Verkehr verstärkt im Mittelpunkt stehen. Im Industriebereich werden sich die Bemühungen um Immissionsminderung auf die besonders umweltwirksamen Schadstoffe konzentrieren, die bereits in geringer Menge gefährlich sein können. Bei den Gebäudeheizungen hat sich durch den verstärkten Einsatz schadstoffarmer Brennstoffe und die technischen Fortschritte bei der Wärmedämmung und der Heizungsanlagensteuerung eine erfreuliche Verbesserung ergeben.

Das Diagramm zeigt anschaulich die Erfolge, die aufgrund der Luftreinhaltepläne in den rheinland-pfälzischen Ballungsräumen in den vergangenen Jahren erreicht wurden.

Emissionsentwicklung in den Untersuchungsgebieten Rheinland-Pfalz